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Erschienen am 04.10.2017 um 23:00 Uhr

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GIESSEN - Mit dem Schreibwettbewerb "Respekt - was geht?" haben sich die hessische Landesregierung, Schriftstellerin Nele Neuhaus, die Stadtbibliothek Gießen und der Gießener Anzeiger an junge Autorinnen gewandt. Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen, denn dabei sind tolle Geschichten entstanden, die sich um das übergeordnete Thema "Respekt" drehen. Die fünf Gewinnerinnen haben ihre kurzen Erzählungen bereits vorgelesen. Auch wir stellen sie in den nächsten Tagen vor. Weiter geht es mit "Schattenseiten - Vorher überlegen was man sagt!" von Jana Schlosser, 13 Jahre, aus Laubach-Lauter:
Maria kam gerade von der Schule nach Hause, als ihre Mutter schon nach ihr rief: "Maria, Du hast heute um 15.30 Uhr deinen Arzttermin - wie immer." Maria ging genervt in ihr Zimmer. Sie fing plötzlich an zu weinen, denn heute wurde sie von ihren Mitschülern gemobbt wegen ihrer Haare. Maria hatte sehr dünnen Haarwuchs, sodass man die Kopfhaut gut sehen konnte. Der Grund war, dass Maria Krebs hat und sie jetzt ihre erste Chemotherapie durchstehen musste.
Getreten und geschubst
Plötzlich kam Marias Mutter hinein. Maria wischte sich schnell die Tränen aus ihrem verheulten Gesicht. Daraufhin nahm die Mutter sie in den Arm. Maria aber riss sich aus ihren Armen und rannte schnell die Treppe runter. Marias Mutter kann das alles nicht verstehen, weil doch versucht wird, etwas für sie zu tun. Maria aber lehnt das ab. Nun rief sie genervt von unten: "Mama, kommst Du jetzt mal endlich. Wir müssen doch zum Arzt." Beide stiegen gemeinsam ins Auto - die ganze Fahrt herrschte Stille. Als Maria mit ihrer Mutter die Tür beim Arzt öffnete, rannte Maria sofort wieder raus. Denn plötzlich sah sie zwei ihrer Klassenkameraden. Sie lachten, als sie Maria entdeckten. Marias Mutter eilte sofort ihrer Tochter hinterher. Nach einem kurzen Gespräch betraten sie wieder das Wartezimmer und setzten sich hin. Marias Mutter fragte: "Was war denn vorhin so schlimm." Maria: "Ach Mama, lass' mich einfach in Ruhe. Du verstehst garNICHTS!!!!" Eigentlich sollte Maria ihrer Klassenlehrerin und ihren Mitschülern sagen, dass sie an Krebs leidet, aber sie hat es nicht getan - da sie Angst hat, dass die anderen sie auslachen würden. Ihre Mutter wusste das nicht.
Im Behandlungszimmer der gleiche Ablauf wie vor zwei Wochen. Und schließlich machten sie einen nächsten Termin aus. Maria war davon überhaupt nicht begeistert. Sie war froh, als sie endlich zu Hause war. Den ganzen Abend hat sich nicht mehr blicken lassen. Den nächsten Tag scheint alles super zu laufen: keine Mitschüler weit und breit. Doch dann wurde sie so bloßgestellt wie noch nie zuvor. Die zwei Mitschüler, die sie gestern beim Arzt getroffen hatte, hatten allen von ihrer Erkrankung erzählt. Jeder machte sich lustig über sie, die anderen Kinder fingen an, sie in die Ecke zu treiben. Einzelne Mitschüler beschimpften sie sogar als Alien, "denn die braucht man ja auch nicht". Tom aus ihrer Klasse begann zudem, Maria zu treten und zu schubsen - so fest, dass sie auf den Boden fiel. Frau Meyer, ihre Klassenlehrerin, beobachtete das Ganze und half Maria wieder auf die Beine. Sie brach in Tränen aus und Frau Meyer verständigte ihre Mutter. Die fuhr so schnell wie sie konnte zur Schule. Dort fiel ihr Maria weinend in die Arme. Die Mutter sagte: "Maria, jetzt sag' mir mal, was das alles hier auf sich hat, ich habe gedacht, Du hättest es allen gesagt."
Die Klassenlehrerin mischte sich ein und fragte: "Was hätte Maria denn sagen sollen?" Marias Mutter sah Maria erstaunt an. Jetzt wurde ihr alles klar. Ihre Tochter hatte davor furchtbare Angst und war deswegen auch nach der Schule immer so verzweifelt.
Auf der Heimfahrt führten Maria und ihre Mutter ein ernstes Gespräch. In der Nacht verschlechterte sich Marias Zustand stark. Sie musste ins Krankenhaus. Erst am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass Maria sich erstmal erholen und stationär behandelt werden muss. Maria war überglücklich, vorerst nicht in die Schule zu müssen.
"Mama ist die Beste"
Marias Mutter und ihr Vater besuchten Maria regelmäßig. Im Krankenhaus lernte sie Freunde kennen, die genau dasselbe Problem haben wie sie - und die gleichen Schmerzen. Was Maria nicht wusste: Ihre Mutter hatte nochmal mit Frau Meyer geredet. Und die hatte wiederum der Klasse die Situation erklärt.
Etwa ein Jahr später hatte Maria endlich den Krebs besiegt. An ihrem ersten Tag zurück in der Schule hatte sie zwar sehr große Angst, aber trotzdem ein gutes Gewissen. Von ganzem Herzen freute sich Maria, als sich alle bei ihr entschuldigten und sie nett behandelten. Frau Meyer erzählte ihr, dass das die Idee ihrer Mutter war. Zu Hause umarmte Maria ihre Mutter und sagte: "DANKE - Mama, Du bist die Beste, ich hab' Dich ganz doll lieb."
Maria hatte nämlich nicht nur den Krebs besiegt, sondern auch neue Freunde aus ihrer Klasse gefunden - trotz dieser absolut schlimmen Respektlosigkeit. Ohne ihre Eltern hätte sie das nicht geschafft.

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